Achter URIS Fellow: Prof. Dr. Viktoriya Sereda

URIS Fellow im Frühjahrssemester 2021 (Februar 2021 bis Juli 2021)

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Bild: Ostap Sereda

Das Schicksal der ca. zwei Millionen Binnenflüchtlinge (IDPs) des Krieges in der Ostukraine rückt erst langsam in das Blickfeld der sozialwissenschaftlichen Forschung. In der Migrationsforschung konzentriert man sich dabei vor allem auf IDPs als passive Opfer und Leidtragende des Krieges. In ihrem aktuellen Forschungsprojekt «The power of disempowered: civic activism of Ukrainian IDPs» wechselt Prof. Viktoriya Sereda, unser achter URIS Fellow, die Perspektive und fragt nach der agency der ukrainischen Binnenflüchtlinge. Welche Anstrengungen unternehmen sie, um sich am neuen Ort zu integrieren? Wie gelingt es ihnen, aus der eigenen Fluchterfahrung Kraft für zivilgesellschaftliches Engagement zu schöpfen? Die auf Interviews basierende Forschung Viktoriya Seredas ist an der Schnittstelle zwischen Alltagssoziologie und Identitätsgeschichte angesiedelt. Sie adressiert eine der grossen Herausforderungen, denen sich die ukrainische Gesellschaft seit dem Ausbruch des Krieges im Osten des Landes gegenüber sieht.

In ihrer Lehrveranstaltung «Migration and belonging. Ukraine in glocal perspective after 1991» an der Universität Basel lädt Viktoriya Sereda Studierende ein, Migrationsprozesse in Osteuropa und insbesondere in der Ukraine zu untersuchen und über Debatten von Zugehörigkeit, Multikulturalismus und Integration zu diskutieren. Im letzten Jahrzehnt gehörte die Ukraine zu den zehn Ländern mit den meisten Migrant*innen in der Welt. Nicht weniger wichtig ist die häufig durch militärische Konflikte und Gewalt ausgelöste interne Migration. Sie wurde zu einem Schlüsselfaktor der gesellschaftlichen Transformationen prägt die Diskussion über Zugehörigkeiten. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt des Kurses sind die Auswirkungen der osteuropäischen Migration auf die europäische und amerikanische Geschichte sowie auf die aktuellen globalen Trends. Daher werden sich die Kursteilnehmer*innen mit Schlüsselproblemen der Migration, wie z.B. dem Gender-Aspekt, der transatlantischen intellektuellen Migration, der globale Diaspora, den Migrant*innen als wichtige transnationale Entwicklungsakteure und den künstlerische Darstellungen der Migration auseinandersetzen.

Prof. Viktoriya Sereda, die in L’viv, Budapest und Edinburgh studierte, wurde 2006 mit einer Arbeit über den Einfluss des Regionalismus auf gesellschafts-politische Identitätsbildung in der Ukraine promoviert. Seit 2015 ist sie Professorin für Soziologie an der Katholischen Universität L’viv. Zuletzt war sie MAPA Research Fellow am Ukrainian Research Institut an der Harvard University, wo sie auf der Grundlage soziologischer Daten einen digitalen Atlas zu gesellschaftlichen Veränderungen in der ukrainischen Gesellschaft entwickelte.

Kontakt: viktoria.sereda@unibas.ch Weitere Infos zu Viktoriya Sereda: CV (incl. Publikationsliste)