Fünfter URIS Fellow: Prof. Dr. Kateryna Dysa

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Prof. Dr. Kateryna Dysa 

Von Februar bis Juli 2019 lehrte und forschte Prof. Dr. Kateryna Dysa an der Universität Basel

«Young people, travel if you can, and if you cannot – travel all the same» (Jules Verne: L’École des Robinsones, 1882)

Berichte von Reisenden und Reiseführer über die Stadt Kiew stehen im Zentrum von Dr. Kateryna Dysas aktuellem Forschungsprojekt «Transformation of the Image of the City in Travel Literature: The Case of Kyiv from the Mid-19th to the Early 20th Century». Arbeitsmigration, Pilgerreisen und säkularer Tourismus führten Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer grossen Mobilität im Zarenreich und brachten dabei neue literarische Formen wie Reiseführer und Reiseberichte hervor. Zu diesem Zeitpunkt war Kiew als Zentrum der ‘alten Rus’ ein bekannter aber gleichzeitig provinzieller Pilgerort des orthodoxen Glaubens. Unter dem Einfluss der Reisenden veränderte sich die Stadt fortlaufend bis sie Anfang des 20. Jahrhunderts zu einem dynamischen, multi-ethnischen und kosmopolitischen Begegnungsort wurde. Dr. Kateryna Dysa nimmt die Konstruktionen und Transformationen des Kiewer Stadtbildes aus der Perspektive einer Geschichte des Reisens in den Blick und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Forschung über Tourismus und Reisen im Zarenreich.

In ihrer Lehrveranstaltung an der Universität Basel mit dem Titel «Describing Eastern Europe: The History of Travel Writing about the Region between the 16th and 20th Centuries» untersucht sie gemeinsam mit Studierenden, wer die ersten Reisenden in Osteuropa waren, mit welchen Zielen sie aufbrachen und welche Tropen über die historischen Regionen Polens, Russlands und der Ukraine sie dabei reproduzierten oder entwarfen. Die Entstehung des Genres Reiseliteratur und sein Potential für sozial- und kulturtheoretische Fragen der osteuropäischen Moderne stehen dabei im Zentrum der Übung, die Studierenden der Geschichte, der Osteuropastudien, der European Global Studies und der Literaturwissenschaften offensteht.

Mit ihrer Dissertation an der Central European University (CEU) in Budapest hat Dr. Kateryna Dysa die erste umfassende Studie zu Hexenprozessen in der Ukraine vorgelegt. Ihre Monographie «Witchcraft Trials and Beyond: in Volhynian, Podolian and Ruthenian Palatinates of the Polish-Lithuanian Commonwealth of the 17th -18th centuries», die in Kürze erscheinen wird, argumentiert aus einer anthropologischen Perspektive dass Hexerei in der Ukraine sich in prosaischer Hausmagie ausdrückte und die sozialen Spannungen der Gesellschaft spiegelte. Auch mit ihrem zweiten Buchprojekt über die Geschichte der Sexualität in den urbanen Zentren der Ukraine im 18. Jahrhundert hat Dr. Kateryna Dysa historiographisches Neuland betreten. Ihre Analyse der Verfolgungspraktiken katholischer und orthodoxer Vertreter stellt Diskurse über sexuelle Praktiken und den Körper in eine vergleichende europäische Perspektive.

Prof. Dr. Kateryna Dysa forscht und lehrt an der Mohyla-Akademie in Kiew.

Kontakt: Katerina.dysa@unibas.ch

CV mit Publikationsliste (PDF)